Das Vorbild tut sich schwer

Januar 6, 2020

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Der Kanton Freiburg hat sich die Gleichstellung von Männern und Frauen zum Legislaturziel gemacht. Tatsächlich hat sich in den letzten fünf Jahren aber kaum etwas getan.

Der Plan wäre einfach: Das Verhältnis von Frauen und Männern im Kader der Kantonsverwaltung soll ausgeglichener werden. Die Arbeit beim Kanton soll besser mit einer Familie vereinbar werden. Und gleiche Arbeit solle auch gleich entlöhnt werden. Mit diesen Zielen will die Freiburger Kantonsverwaltung als Vorbild für Unternehmen im Kanton vorangehen.

Um diese Ziele zu erreichen organisieren die Direktionen Kurse für Kaderleute und fördern flexible Arbeitszeitmodelle. Es gehe darum, einen Kulturwandel herbeizuführen, sagt Liliane Meyer Pitton, die das Projekt leitet. Dabei komme es nicht nur auf Zahlen an.Dabei komme es nicht nur auf Zahlen an.

Aber diese Zahlen sprechen für sich. Da ist zunächst der Freiburger Staatskalender. Nicht alle Angestellte des Kantons sind darin aufgeführt, dennoch gibt er einen Einblick über die aktuelle Situation.

Insgesamt ist das Geschlechterverhältnis in der Kantonsverwaltung gemäss dem Staatskalender sehr ausgeglichen. 51 Prozent der Angestellten sind Frauen, 49 Prozent sind Männer. Unter dem Kader* sieht es jedoch anders aus: Dort sind 35 Prozent Frauen und 65 Prozent Männer.

Noch deutlicher wird das Bild, wenn man die einzelnen Direktionen anschaut. In der Sicherheitsdirektion etwa arbeiten 40 Prozent Frauen. Doch nur 11 Prozent davon haben eine Führungsfunktion inne. Über alle Direktionen hinweg zeigt sich, dass Frauen im Kader deutlich weniger vertreten sind.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch eine Erhebung des Kantons Freiburg aus dem Jahr 2014. Damals waren 55 Prozent der Kantonsangestellten Frauen, aber nur ein Drittel des höheren Kaders war weiblich. Unter den Dienstchefs waren 24 Frauen und 65 Männer. Jetzt, fünf Jahre später, sind es noch immer 24 Frauen und mit 66 Männer ein Mann mehr.

Angesprochen auf diese bescheidene Entwicklung sagt Leiterin des Gleichstellungsprojektes Meyer Pitton: «Es mag sein, dass diese Zahlen den Anschein erwecken, als ginge es kaum voran. Aber man muss auch die Fluktuation der Dienstcheffen berücksichtigen.» Und ohnehin, es sei nicht verboten, Männer einzustellen.

Mit 27 Prozent Frauen unter den Dienstchefs bewegt sich die Freiburger Kantonsverwaltung zwischen den Zielen, welches das Bundesparlament festgelegt hatte: Es sieht für börsenkottierte Unternehmen 20 Prozent Frauen in der Geschäftsleitung und 30 Prozent im Verwaltungsrat vor. Gelingt dies den Unternehmen nicht, müssen sie in ihrem Jahresbericht erklären warum.

Auch hier hinkt der Kanton Freiburg hinten nach: Die einzelnen Direktionen haben sich zwar Ziele für die Vertretung von Frauen im Kader gesetzt. Aber öffentlich machen sie diese nicht.

Methode
Die Einteilung nach Kader wurde per Textsuche mit den folgenden Begriffen (und deren weiblichen Form) vorgenommen: Chef, Vorsteher Staatsrat, Leiter, Verantwortlicher, Direktor, Oberamtmann.
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