Strand Tel Aviv

Je sensibler das Thema, desto drastischer die Begriffe

August 26, 2015

by — Posted in Tel Aviv

Wolkenkratzer in Tel Aviv
Der Wohlstand ist Tel Aviv anzusehen. Aber nicht überall herrscht er im selben Mass.

In der Tel «Aviv Bubble» kann man Bus fahren, arbeiten, Eis essen und Wlanhotspots suchen, ohne ein einziges Mal daran erinnert zu werden, dass sowohl der Gazastreifen als auch das Westjordanland keine Autostunde entfernt sind. In den Köpfen der Menschen ist das Thema dennoch.

 

Mein Fahrer vom Flughafen nach Tel Aviv bezeichnet sich selbst als moderater Zionist. Wir sind keine fünf Minuten auf der Autobahn unterwegs, da bringt er die aktuelle Regierung Israels mit jener Deutschlands um 1940 in Verbindung. Der Vergleich ist schnell zur Hand, das Schicksal der Juden im zweiten Weltkrieg beschäftigt auch die zweite Generation ihrer Überlebenden. Die Linke, so sagt mein Fahrer, beobachte die Politik des Landes mit wachsender Verzweiflung.

Mit der Verzweiflung spitzt sich auch die Wortwahl zu: In einer Kolumne der englischsprachigen Zeitung Haaretz schreibt Bradley Burston, es sei Zeit zuzugeben, die Israelische Politik sei Apartheid. Seine Aussage bleibt kontrovers, selbst andere linksgesinnte Journalisten stimmen ihm nicht zu. Auf TLV 1, einem englischen Radiosender aus Tel Aviv, lautet das Fazit zum Thema: Ganz stimmt der Vergleich nicht. Aber unerhört, unglaublich und abstossend sei die Politik gegenüber Palestina auf jeden Fall:

There was a time when the worst case cenario was the status quo and the best case cenario was a two states solution. Now apparently the best case cenario is the status quo…

Schön an dem Ganzen ist, dass die Meinungen in Israel viel breiter gefächert sind, als sie gegen aussen wirken.