Geschirr aus Glas und Porzelan

Regeln sind zum brechen da

September 2, 2015

by — Posted in Tel Aviv

So einfach wäre die koscherere Geschirrtrennung. Wäre.
Koscherere Geschirrtrennung, einfach erklärt.

Je weniger ungeschriebene Verbote, desto schöner, dachte ich bis jetzt. Doch gewisse Bräuche habe ich tatsächlich und lieb gewonnen. Neue Vorschriften dagegen stellen eine Herausforderung dar. Weniger schön ausgedrückt: Gescheitert! Gescheitert!


Jede Kultur hat ihre eigenen Traditionen und Verhaltensregeln. Selbstverständlich halte ich sie ein, das ist eine Frage des Respekts gegenüber meinem Gastgeberland, meiner Gastgeber-WG. Soweit meine guten Vorsätze. In der Praxis fällt es mir nicht so leicht, sie einzuhalten. Hier eine Liste von 1. religiös motivierten Essensregeln 2. gesundheitlichen Essensratschläge, 3. Regeln die ich freiwillig einhalte und 4. Solche die ich gerne hätte. In Klammern daneben wie es ums Einhalten der Vorschrift steht. Nein, ich bin nicht stolz auf diese Statistik.

1. Regeln in meiner WG

Das hier sind keine Richtlinien, sondern eiserne Grundsätze.

  • Kein Fleisch ins Haus bringen. – [Gebrochen]
  • Für Milchprodukte gläserne Teller verwenden, für Fleisch porzelanerne. – Gebrochen

Koshere Haushalte sind selten, auch in Israel, aber ich habe einen gefunden. Die jüdischen Essvorschriften meiner WG verlangen, Milchprodukte und Fleisch getrennt zu essen. Für beides verwenden wir separates Geschirr.
Für Fleisch gibt es weitere Richtlinien, welche Tiere und nach welcher Praxis das Tier geschlachtet werden dürfen. Für mich heisst das: Kein Fleisch mit in die WG nehmen. Denn ob und inwiefern es koscher ist, kann ich mit meinen nicht existenten Hebräisch-Kenntnissen kaum erraten. Ja, Die Regel ist schon gebrochen, dazu folgt ein separater Beitrag.

Geschirr aus Glas und Porzelan
Gläserne Tassen, gläserne Teller: Meine WG ist gut ausgerüstet.

2. Ratschläge um gesund zu bleiben

Diese Ratschläge wurden mir so warm ans Herz gelegt, dass ich die allerbesten Vorsätze hatte, sie einzuhalten.

  • Keine rohen Früchte und Gemüse essen – [Gebrochen.]
  • Wasser nur aus gekauften Flaschen trinken – [Gebrochen.]
  • Zwischen 11 und 16 Uhr das Haus nicht verlassen – [Gebrochen.]

Kirschtomaten immer zu kochen ist nicht lustig, besonders wenn sie Lila, rot und gelb sind und himmlisch schmecken. Wasser nicht vom Wasserhahnen zu trinken halte ich ab und zu ein. Aber mit fünf bis sechs Liter Wasser, die ich pro Tag trinke, verleidet, mir das Wasserschleppen ab und zu. Ich lebe noch.
Während der Mittagszeit nicht aus dem Haus zu gehen macht Sinn, gerade wenn man sich so stark verbrannt hat wie ich an meinem ersten Tag in Israel. Einzuhalten ist der Vorsatz aber dennoch nicht. Dafür habe ich eine andere Gewohnheit angenommen: Nie ohne Sonnencreme aus dem Haus. Das funktioniert.

3. Verinnerlichte Vorschriften

  • Klimaanlage so wenig als möglich verwenden – [Eingehalten]
  • Fenster nachts öffnen, Tags schliessen – [Eingehalten]

Für beides habe ich grosse, staunende Augen meiner Mitbewohnerin geerntet. Ohne Klimaanlage geht nichts, wenn es nach ihr geht. Dass die Temperatur in den nicht klimatisierten Räumen beeinflussen lässt, je nachdem ob das Fenster tags oder nachtsüber geöffnet wird, hält sie noch heute für ein Gerücht.

4. Regeln die ich gerne hätte

  • Zwei separate Putzschwämme für Geschirrspülmittel und Javelwasser – [Wunschdenken]
  • Verbot, Tefflonpfannen mit Stahlwolle zu spülen – [Wunschdenken]
  • Licht im Gang nachts löschen während der Nacht – [Wunschdenken]

Sind das auch Glaubensgrundsätze? Andere Menschen kommen ohne weiteres ohne sie aus.

PS: Ich bin selbst erstaunt wie viele Synonyme es für «Regeln» gibt. Die deutsche Sprache freut sich.